Zu den Vorkommnissen gegen Vahdet Braunschweig

Rund 70 Schwarz-Gelbe haben am Sonntag die Reise nach Braunschweig angetreten. Kurz vor der Halbzeit erhielten wir die Nachricht, dass sich unter den restlichen Zuschauer*innen Felix Hauschild und zwei weitere Nazis befinden sollen. Kurze Zeit später hatte sich die Vermutung bestätigt. Felix Hauschild, Mitglied der JN Niedersachsen (Jugendorganisation NPD) , gilt als bekanntes Gesicht der Braunschweiger Nazi-Szene und hat zahllose neonazistische Vorträge, Veranstaltungen und Demonstrationen besucht. Für uns war sofort klar, dass ein Spiel unseres Teams für uns nicht weitergehen kann, solange so eine Person anwesend ist. Trotz diverser Hinweise von Zuschauer*innen ließ der TSC Vahdet die Nazis jedoch gewähren, sodass sich einige Göttinger*innen schließlich dazu entschieden selbst dafür zu sorgen, ein Fußballspiel ohne Nazis schauen zu können. Während die Nazis wegrannten entstand ein großes Gerangel mit den Ordnern und einigen Vahdet Spielern. Verursacht durch mangelnde Kommunikation des Heimvereins untereinander, war in diesem Moment keinem Ordner bewusst, dass es hier um Nazis geht bzw. wer jetzt die Nazis sind. Das wilde Geschrei des Stadionsprechers hat leider nicht zur Beruhigung der ganzen Situation beigetragen. In der folgenden hitzigen Situation kamen zusätzlich noch rund 20 Polizisten dazu. Als klar war, dass die Nazis verschwunden waren, war für uns die Problematik erledigt. Da der Platzwart angefangen hat, wahllos Leuten Hausverbot zu erteilen, haben wir uns als Fanszene dazu entschieden, geschlossen vom Gelände zu gehen und das Spiel von draußen bis zum Ende zu gucken.
Wir wissen, dass sowohl einige Fans als auch Spieler und Betreuer unglücklich mit den Geschehnissen sind. Wir respektieren diese Haltung natürlich und werden uns zu gegebener Zeit intern zusammensetzen, um die gesamte Thematik gemeinsam aufzuarbeiten. Dennoch steht für uns fest, dass ein Fußballspiel von Göttingen 05 ein nazifreier Ort sein muss! Wir stehen für eine offene, lebendige und bunte Fankultur. Diese Werte sind durch die bloße Anwesenheit von Faschisten bedroht! Wir bewegen uns in einer Zeit, in der der gesellschaftliche Rechtsruck den Weg für eine Vielzahl von rassitischen und faschistischen Verbrechen ebnet. Sei es der terroristische Anschlag in Hanau, der Mord am CDU-Politiker Walter Lübcke oder die grausame Umgang mit Geflüchteten auf den griechischen Inseln. Wir sind der Überzeugung, dass es die Pflicht aller ist dafür zu sorgen, dass Faschisten nirgends Fuß fassen können. Dazu gehört auch ein Landesliga-Spiel. Vor allem dann, wenn dort der Verein spielt, der uns so wichtig ist!
Wir wollten zu keiner Zeit unserem Verein schaden. Jeder der unsere Fanszene kennt weiß, wie viel wir auch außerhalb von Spieltagen in die Vereinsstrukturen investieren. Sei es der Bau der Bude, die Renovierung der Kabinen, die Herstellung vom Merch oder das Übernehmen von strukturellen Aufgaben im Verein. Auch wenn wir als Fanszene nach unseren antifaschistischen Idealen gehandelt haben, möchten wir uns bei allen Anwesenden entschuldigen, die sich durch alles was passiert ist unwohl gefühlt haben. Zum Abschluss wollen wir außerdem eine Sache ganz klar stellen: Wir sind keine Szene, die Hopper oder andere Fans angreift. Wer versucht, aus diesen Vorkommnissen eine reine „Fußball“-Geschichte zu machen, der entpolitisiert einen politischen Konflikt. Wir haben noch nie und werden auch in Zukunft niemanden aufgrund der Zugehörigkeit zu irgendeinem Sinnlosverein angreifen.

Göttingen 05 bleibt Nazifrei!

Rasensportguerilla, März 2020

1. SC 05 – TuSpo Petershütte

TSV Seulingen/LA – 1. SC 05

SC Hainberg – 1. SC 05

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